Klausurtagung der FDP Tiergarten in Warschau

Der Wilanów-Palast
Der Wilanów-Palast

Vom 6. bis 9. September 2012 bot die FDP Tiergarten interessierten Mitgliedern die Gelegenheit, Warschau im Rahmen einer Klausurtagung kennen – und lieben zu lernen. Obwohl die Länge der Reise für eine Klausurtagung eher ungewöhnlich war, stellte sich vor Ort doch heraus, dass Warschau sich nicht auf ersten Blick erschließt – es ist eine weitläufige und vielfältige Stadt, die man auch an vier Tagen nur oberflächlich kennen lernen konnte.

Schon die Wahl der Unterkunft war ein Volltreffer: Das Hotel Polonia Palace blieb als einziges Hotel im weiten Umkreis im Zweiten Weltkrieg unbeschädigt und zählte auch General Eisenhower zu seinen Gästen – ein würdiges und stilvolles Ambiente.

Schon nach dem Check-in ging es nach kurzer Verschnaufpause weiter mit der Besichtigung des Wilanów-Palastes und der Parkanlagen von Łazienki. Einige Teilnehmer unserer Reisegruppe entdeckten dann gleich am ersten Abend das nahe gelegene  "Radio Cafe", und bei authentischem polnischen Essen gab es eine Lektion in polnischer Freiheitsgeschichte aus dem letzten Jahrhundert: Denn die Betreiber des Radio Cafe waren zugleich Mitglieder von "Radio Free Europe", in den fünfziger Jahren eine Stimme der Freien Welt in Polen.

Am Freitag wurde die Altstadt besichtigt; auf dem Programm stand ferner die Besichtigung des Warschauer Königsschlosses und des Museums des Warschauer Aufstands – eine polnische Widerstandsgeschichte, die gerne mit dem Warschauer Ghettoaufstand verwechselt oder ganz vergessen wird. Dieses moderne Museum beeindruckte mit der Direktheit, in der der Zweite Weltkrieg und seine Folgen thematisiert wurden, und machte so einmal mehr deutlich, welches Wunder das friedliche deutsch-polnische Zusammenleben unserer Tage ist. Denn die polnische Gastfreundschaft gegenüber uns deutschen Gästen war beeindruckend – auch wenn an vielen Ecken an die schreckliche und schwierige Geschichte der polnischen Nationalitätsbildung und der Verluste in den vielen Kriegen erinnert wird, die im Zweiten Weltkrieg einen Höhepunkt fanden.

Am Abend war ein Treffen mit einem Sejm-Abgeordneten im Restaurant "Rozana" geplant. Auch ohne diesen Gast war das gemütliche Beisammensein ein voller Erfolg – polnische Lokale haben ihren eigenen Charme.

Der Samstag stand dann zur freien Verfügung und wurde zu dem obligatorischen Stadtbummel benutzt – endlich eine Gelegenheit, die Stadt auch zu Fuß kennenzulernen.

Leszek Balcerowicz Polonia Palace Hotel 9. Sept. 2012
Leszek Balcerowicz Polonia Palace Hotel 9. Sept. 2012

Höhepunkt der Reise war das Treffen am Sonntag mit Professor Leszek Balcerowicz, ehemaliger Finanzminister und Vizepremier, liberaler Politiker und Präsident der Polnischen Nationalbank von 2001 bis 2007, der über Wege aus der Euro-Schuldenkrise referierte. Die auf viel zu häufigen Krisengipfeln beschlossenen und von aufgeheizter Rhetorik begleiteten Rettungspakete taugen wenig, um Vertrauen und Wachstum zu schaffen. Vielmehr seien strukturelle Reformen und Haushaltskonsolidierung erforderlich. Finanzmärkte seien nicht irrational, wie oft behauptet werde. Dass Zinsen für Staatsanleihen der BELL-Länder (Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen) mittlerweile gesunken seien, zeige, dass Märkte auf die Art und Tragweite von Reformen in diesen Ländern vernünftig reagieren. Eine Politik des billigen Geldes, des Quantitative Easing nach Vorbild der amerikanischen, britischen und japanischen Zentralbanken, wie massives Aufkaufen von Staatsanleihen durch die EZB oder den ESM, wäre zwar aus Sicht mancher Marktteilnehmer wünschenswert, würde aber ein moralisches Risiko schaffen, zur Bildung neuer Blasen beitragen und die Gefahr künftiger Inflation erhöhen.

Ein besonderer Dank geht an den Organisator Peter Pawlowski, dessen Polnischkenntnisse auch vor Ort sehr hilfreich waren, und an den ehemaligen Vorsitzenden des OV Tiergarten Michael Saß, der ebenfalls an der Organisation beteiligt war.

 

von Nikoline Hansen