10.10.2010
Angesichts der Tatsache, daß der Liberale Walther Rathenau, anders als Rosa Luxemburg, sich für und nicht gegen die parlamentarische Demokratie in die Pflicht nehmen ließ, und er die Aussöhnungspolitik Deutschlands mit seinen Nachbarn nach dem Ersten Weltkrieg wesentlich gestaltet hat, erscheint die Erinnerungspolitik des Landes Berlin vollkommen unangemessen. So, wie Rhöndorf an Adenauer, Stuttgart an Heuss, Heidelberg an Ebert und Berlin an Willy Brandt erinnert, gehört zu einer angemessenen Erinnerungspolitik für den gebürtigen Berliner Walther Rathenau
Zwar gibt es am Ort der Ermordung Rathenaus in der Koenigsallee beziehungsweise an seiner ehemaligen Villa eine Hinweistafel, dazu einen privat initiierten Bronzekopf am Moabiter Spreeufer und eine abstrakte Skulptur in Rehberge - aber keinen informativen Gedenkort. Besonders die vielfältigen Verflechtungen der Rathenauschen Familiengeschichte mit dem Bezirk Mitte wird von Berlin weitgehend verschwiegen.
Da auch Walther Rathenaus Vater Emil als Gründer der AEG für die Berliner Stadtgeschichte wie die deutsche Geschichte von bedeutender Wirkung war, scheint es angemessen, eine Gedenkstätte zu schaffen, die mit einer Ausstellung über Walther Rathenau, seinen familiären Hintergrund und die politischen Probleme seiner Zeit informiert. Gerade, weil Terrorismus und Antisemitismus auch heute reale Gefährdungen für die deutsche Demokratie bergen, ist der Informations- und Bildungsaspekt im Zusammenhang mit Walther Rathenau besonders aktuell.
Die Kopien des Nachlasses Rathenaus sollen von Freiburg an einen neuen Standort verlagert werden. Dazu ist u. a. die Rathenau-Gedenkstätte in Bad Freienwalde im Gespräch. Allerdings wäre sie dort Studierenden kaum und der Forschung nur schwer zugänglich. Sinnvoller scheint daher, sie entweder im Rahmen einer Berliner Gedenkstätte oder im Rahmen der Berliner Archiv-, Bibliotheks- und Hochschullandschaft zugänglich zu machen. Die Originale befinden sich kriegsbedingt verlagert noch in Rußland; ihre Rückführung ist anzustreben. Wünschenswert wäre die Einrichtung von Rathenau-Forschungsstipendien, insbesondere zur Förderung der Edition seiner Werke.
Eine Rathenau-Gedenkstätte für Berlin
Ein Antrag von Dr. Kurt M. Lehner
Berlin braucht ein würdiges Erinnern an den 1922 von Rechtsextremisten ermordeten deutschen Außenminister und Schriftsteller Walther Rathenau.
Während es für die erklärte Demokratie- und Republikfeindin Rosa Luxemburg zahlreiche amtliche Erinnerungsstätten in Berlin gibt, gibt es für den gleichfalls ermordeten Liberalen Walther Rathenau kaum einen Hinweis in seiner Heimatstadt Berlin.
Fragen der Erinnerungskultur haftet vielleicht für manches FDP-Mitglied angesichts von Finanzkrise und Steuerlast das Odium der Nebensächlichkeit an. Angesichts der strukturellen Mehrheit, die sozialistische Meinungen in der Berliner Politik haben, kann vor dieser Haltung nur gewarnt werden. Das geistige Klima, die intellektuelle "Lufthoheit", färben auf alle Bevölkerungsgruppen ab. Gerade für bürgerliche Wählerschichten, die sich in hohem Maße über Bildung und Kultur definieren, kann eine dezidiert liberale Erinnerungskultur identifikationsstiftend wirken und - neben den Sachargumenten der tagespolitischen Fragen - entscheidend zu einem geistigen Klima beitragen, das die FDP nicht nur rational wählbar, sondern auch emotional überzeugend macht.Angesichts der Tatsache, daß der Liberale Walther Rathenau, anders als Rosa Luxemburg, sich für und nicht gegen die parlamentarische Demokratie in die Pflicht nehmen ließ, und er die Aussöhnungspolitik Deutschlands mit seinen Nachbarn nach dem Ersten Weltkrieg wesentlich gestaltet hat, erscheint die Erinnerungspolitik des Landes Berlin vollkommen unangemessen. So, wie Rhöndorf an Adenauer, Stuttgart an Heuss, Heidelberg an Ebert und Berlin an Willy Brandt erinnert, gehört zu einer angemessenen Erinnerungspolitik für den gebürtigen Berliner Walther Rathenau
- eine Gedenkstätte in Berlin, die über Leben sowie publizistisches und politisches Wirken Walther Rathenaus informiert, möglichst an einem mit seiner Lebensgeschichte verknüpften Ort;
- die Aufbewahrung und Zugänglichmachung der Kopien des Nachlasses von Walther Rathenau in Berlin sowie die Rückführung der Originale aus Rußland;
- die Förderung und Unterstützung der Forschung über Walther Rathenau;
- die angemessene Pflege und Restaurierung des Ehrengrabes Rathenaus in Oberschöneweide.
Zwar gibt es am Ort der Ermordung Rathenaus in der Koenigsallee beziehungsweise an seiner ehemaligen Villa eine Hinweistafel, dazu einen privat initiierten Bronzekopf am Moabiter Spreeufer und eine abstrakte Skulptur in Rehberge - aber keinen informativen Gedenkort. Besonders die vielfältigen Verflechtungen der Rathenauschen Familiengeschichte mit dem Bezirk Mitte wird von Berlin weitgehend verschwiegen.
Da auch Walther Rathenaus Vater Emil als Gründer der AEG für die Berliner Stadtgeschichte wie die deutsche Geschichte von bedeutender Wirkung war, scheint es angemessen, eine Gedenkstätte zu schaffen, die mit einer Ausstellung über Walther Rathenau, seinen familiären Hintergrund und die politischen Probleme seiner Zeit informiert. Gerade, weil Terrorismus und Antisemitismus auch heute reale Gefährdungen für die deutsche Demokratie bergen, ist der Informations- und Bildungsaspekt im Zusammenhang mit Walther Rathenau besonders aktuell.
Die Kopien des Nachlasses Rathenaus sollen von Freiburg an einen neuen Standort verlagert werden. Dazu ist u. a. die Rathenau-Gedenkstätte in Bad Freienwalde im Gespräch. Allerdings wäre sie dort Studierenden kaum und der Forschung nur schwer zugänglich. Sinnvoller scheint daher, sie entweder im Rahmen einer Berliner Gedenkstätte oder im Rahmen der Berliner Archiv-, Bibliotheks- und Hochschullandschaft zugänglich zu machen. Die Originale befinden sich kriegsbedingt verlagert noch in Rußland; ihre Rückführung ist anzustreben. Wünschenswert wäre die Einrichtung von Rathenau-Forschungsstipendien, insbesondere zur Förderung der Edition seiner Werke.











